Vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle vom Beginn eines anspruchsvollen Turnarounds geschrieben. Heute kann ich Ihnen berichten: Die Trendwende ist gelungen. Die Spitex Biel-Bienne Regio AG hat 2025 ihr Resultat gegenüber dem Vorjahr um rund 400'000 Franken verbessert, strategisch wichtige Weichen gestellt und ihre Position als verlässliche, gemeinnützige Versorgerin im zweisprachigen Grossraum Biel deutlich gestärkt. Diese Wende ist das Ergebnis vieler Hände – und vor allem das Ergebnis einer Organisation, die ihre Identität wiedergefunden hat: kompetent, kooperativ, und nahe bei den Menschen.
Übernahme der Provitas Spitex AG (1.1.2025)
Mit der Übernahme der Provitas Spitex AG durch unsere Trägerorganisation, den Verein Spitex Biel-Bienne Regio, hat sich unsere Versorgungskapazität in der Region spürbar erweitert. Provitas mit mehr als 40 Mitarbeitenden bleibt als eigenständige Marke bestehen – und das aus Überzeugung. Die Stärken der privaten Provitas (Flexibilität, kurze Entscheidungswege, ein starker Fokus auf komplexe Pflegesituationen) ergänzen die Stärken der öffentlichen Spitex (Versorgungspflicht, Zweisprachigkeit, breites Spektrum, Ausbildung). Statt Marktbereinigung zu betreiben, schaffen wir Vielfalt unter einem gemeinsamen Dach. Esther Hess wird die Leitung von Provitas in den kommenden zwei Jahren geordnet übergeben – wir sind ihr für ihr Vertrauen und ihre Bereitschaft zu diesem Schritt zutiefst dankbar.
Minderheitsbeteiligung des Spitalzentrums Biel (33%)
Die strategische Krönung des Jahres 2025 ist die Minderheitsbeteiligung des Spitalzentrums Biel (SZB) an unserer Aktiengesellschaft. Nach einem mehrjährigen, sorgfältig geführten Strategieprozess hat sich der Verein als Hauptaktionär entschieden, dem SZB einen Drittel der Aktien an der Betriebs-AG abzugeben. Das ist ein bewusstes Bekenntnis: Wir glauben, dass die Zukunft der Versorgung in der vertieften Verzahnung von ambulant und stationär liegt – und dass diese Verzahnung dann am besten gelingt, wenn die Partner nicht nur kooperieren, sondern auch unternehmerisch Verantwortung füreinander übernehmen.
Die Zusammenarbeit mit dem SZB konkretisiert sich in vielen Bereichen: vereinfachte und beschleunigte Patientenübergaben, gemeinsame Modelle für Hospital@Home, ein abgestimmter mobiler palliativer Dienst, sichere Medikation an der Schnittstelle, Unterstützung bei Rekrutierung und Weiterbildung. Im Gegenzug profitiert das SZB – das seinen ambulanten Anteil deutlich ausbaut – von einer leistungsfähigen Nachsorge in den eigenen vier Wänden der Patientinnen und Patienten.
WTO-Zuschlag für die Versorgungsregion 2026-2029
Im Juni 2025 hat das kantonale Gesundheitsamt die Zuschlagsentscheide für die Leistungsverträge zur Versorgungssicherheit in der ambulanten Pflege 2026-2029 publiziert. Wir freuen uns sehr und mit einem gewissen Stolz: Die Spitex Biel-Bienne Regio AG hat den Zuschlag für ihre Versorgungsregion erhalten. Damit haben wir uns in einem anspruchsvollen, transparenten Verfahren behauptet – und tragen die Versorgungspflicht für unsere Region für die kommenden vier Jahre. Dieser Zuschlag bestätigt, dass unser Geschäftsmodell, unsere Qualität und unser Preisangebot stimmen. Zugleich ist er eine Verpflichtung gegenüber der Bevölkerung, die wir sehr ernst nehmen.
Das Jahr 2025 brachte mehrere wichtige politische Klärungen, die unseren Markt nachhaltig prägen werden. Der Kanton Bern hat seine Spitex-Landschaft per 1.1.2026 von 47 auf 17 Versorgungsregionen konsolidiert – eingebettet in das Modell der Versorgungsregionen 4+. Diese Konsolidierung war überfällig und ist ein wichtiger Schritt zu einer kohärenten, integrierten Versorgung. Wir begrüssen diesen Weg ausdrücklich.
Vernünftige Regulierung der pflegenden Angehörigen
Eine besonders wichtige Klärung betrifft die pflegenden Angehörigen. Ab dem 1. Januar 2026 gilt im Kanton Bern ein neuer Kantonsbeitrag von 14.50 Franken pro Pflegestunde von angestellten, pflegenden Angehörigen. Damit werden Fehlanreize korrigiert, die in den letzten Jahren dazu geführt hatten, dass einzelne spezialisierte Anbieter überproportional profitiert haben, ohne immer den entsprechenden pflegerischen Mehrwert zu liefern. Wir haben den Bereich pflegende Angehörige seit Jahren vernünftig und professionell aufgebaut: mit verbindlicher Schulung über den SRK-Pflegehelfer-Kurs, mit fester fachlicher Begleitung durch unsere Pflegefachpersonen, mit klaren Qualitätsanforderungen und mit transparenter Verrechnung. Bei uns geht es nicht um Marge, sondern um Pflege. Dass der Kanton hier nun einen einheitlichen, fairen Rahmen schafft, freut uns.
Steigende Kosten, steigende Prämien
Die öffentliche Diskussion um die steigenden Gesundheitskosten und Prämien begleitet auch unsere Arbeit. Wir verstehen den Druck der Politik, Kosten zu kontrollieren, und tragen unseren Teil dazu bei – durch effiziente Abläufe, durch eine kluge Einsatzplanung, durch Investitionen in Digitalisierung und Skill-Mix. Gleichzeitig sehen wir: Spitex ist Teil der Lösung, nicht des Problems. Jeder Tag zu Hause statt im Spital oder im Pflegeheim spart der öffentlichen Hand und den Krankenversicherern Geld – und gibt den Menschen Lebensqualität, die kein Geld der Welt kaufen kann.
Wir haben uns für 2025 ein klares Ziel gesetzt: das negative Resultat des Vorjahres deutlich zu verbessern, ohne Abstriche an der Qualität. Dieses Ziel haben wir erreicht. Das Resultat hat sich gegenüber 2024 (Verlust von rund 276'000 Franken) um rund 400'000 Franken verbessert. Damit nähern wir uns wieder einem ausgeglichenen Ergebnis – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zurück zu schwarzen Zahlen.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Gesamtertrag | 13'068’507 |
| Gesamtaufwand | 13'006’303 |
| Jahresergebnis | 69’078 |
| Mitarbeitende (exkl. Provitas) | ~190 |
| Klientinnen und Klienten (exkl. Provitas) | ~1600 |
| Geleistete Pflegestunden | >100'000 |
Mit einem Gewinn von CHF 69’078 gegenüber dem Vorjahresverlust von CHF -276’557 hat die Spitex Biel-Bienne Regio AG ihre Trendwende eindrucksvoll demonstriert. Das Delta zeigt die Wirkung von konsequenter Sparpolitik, optimiertem Skill- und Grademix.
Die Trendwende beruht auf mehreren Faktoren: einer disziplinierten Kostenführung, einem optimierten Skill- und Grademix in den Einsätzen, einer breiteren Ertragsbasis durch die Provitas-Integration sowie zusätzlichen Synergien mit dem Spitalzentrum Biel. Wichtig ist uns: Wir haben gespart, ohne an der Pflegequalität zu sparen. Die Ferienwoche zusätzlich, die wir 2024 eingeführt haben, bleibt selbstverständlich bestehen – Investitionen in unsere Mitarbeitenden zahlen sich aus.
Das letzte Jahr war geprägt von Veränderung und Transformation. Dass dabei die Teamfluktuation geringgehalten werden konnte und eine Leistungssteigerung von 10% möglich war, ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist ein Zeugnis für die Loyalität und Einsatzbereitschaft unserer Mitarbeitenden. Mit dem Zusammenschluss von Provitas haben sich für uns neue Möglichkeiten eröffnet. Wird es eng in unserem Einsatzplan, dürfen wir nun auf erweiterte Hilfe zurückgreifen. Davon profitieren nicht nur unsere Mitarbeitenden, sondern in erste Linie unsere Klientinnen und Klienten. Um die Qualität auf hohem Niveau zu halten, bieten wir monatlich interne Weiterbildungen an. Davon dürfen nicht nur unsere eigenen Mitarbeitenden profitieren. Unsere Weiterbildungen werden dem ganzen Netzwerk auf Platz Biel zugänglich gemacht. Wir sind stolz, dass wir unsere Spezialgebiete weiter ausbauen konnten. So verfügen wir seit 2025 über eine Diabetesfachfrau. Nebst den eigenen Einsätzen führt sie Coachings und Schulungen durch. Schön zu sehen, wie unsere Spitexfamilie weiterwächst und dabei an Menschlichkeit und Professionalität weiter gewinnt.
Die personelle Situation hat sich 2025 stabil und positiv entwickelt. Die Verbesserungen der Anstellungsbedingungen aus dem Vorjahr (zusätzliche Ferienwoche, Möglichkeit zum Kauf weiterer Ferientage, modernes Erscheinungsbild und Arbeitskleidung) zeigen Wirkung. Wir sind im hart umkämpften Bieler Arbeitsmarkt – mit seinen besonderen Herausforderungen rund um Zweisprachigkeit und Pendlerströme – als Arbeitgeberin gut positioniert. Die üblichen Herausforderungen bleiben bestehen: Fachkräftemangel in der Pflege, Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeitende, hohe Anforderungen an die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hier setzen wir auf flexible Arbeitsmodelle, gute Aus- und Weiterbildung und eine Kultur der Wertschätzung.
Unser strategischer Nordstern ist klar: Wir wollen die integrierte Versorgung im Grossraum Biel-Bienne entscheidend mitgestalten – mit einem ausgeprägten zweisprachigen Fokus, der unsere Region prägt. Dafür stellen wir alle Partner ins Zentrum unserer Überlegungen:
Wir glauben nicht an einen Wettkampf um knappe Ressourcen, sondern an eine kluge Verteilung von Aufgaben dort, wo sie am besten erbracht werden können. Auch unseren Mitbewerberinnen und Mitbewerbern im privaten Spitex-Bereich begegnen wir auf Augenhöhe. Es gibt für alle genug zu tun – und es gibt vieles, was wir gemeinsam besser machen als getrennt.
Für das kommende Geschäftsjahr setzen wir uns vier Schwerpunkte:
Mein herzlicher Dank gilt allen Mitarbeitenden – in der Pflege, in der Hauswirtschaft, in der Administration, in der Ausbildung – für ihren täglichen Einsatz mit Herz und Verstand. Sie sind das Gesicht der Spitex Biel-Bienne Regio und der Grund, warum unsere Klientinnen und Klienten uns vertrauen. Ein grosses Dankeschön auch an unsere Kolleginnen und Kollegen bei Provitas, mit denen wir nun gemeinsam unterwegs sind.
Ich danke unserem Verwaltungsrat unter der Leitung von Marc R. Bercovitz für das Vertrauen und die strategische Klarheit. Ich danke dem Vorstand des Vereins, unseren Partnerorganisationen – allen voran dem Spitalzentrum Biel –, der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion des Kantons Bern, den Standortgemeinden und dem Spitex Verband Kanton Bern für die kooperative Zusammenarbeit.
Vor allem aber danke ich unseren Klientinnen und Klienten und ihren Angehörigen für ihr Vertrauen. Wir sind oft die Einzigen, die regelmässig zu Ihnen nach Hause kommen. Wir nehmen diese Verantwortung sehr ernst – und wir freuen uns, weiterhin überall für alle da zu sein – pour vous, chez vous.
Dr. Christoph Napierala
Geschäftsleiter Spitex Biel-Bienne Regio AG